HAHUTRA
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Beschäftigung - weniger ist manchmal mehr

Beschäftigung - weniger ist manchmal mehr

"Der ist nicht tot zu kriegen" - Ein Satz der mir im Alltag oft begegnet und ein Problem von dem viele Menschen berichten.

Stundenlang kann ein Jack Russel einem Ball nachjagen und ein Aussie gehört auf den Agility Parcours. So unsere Vorstellung. Doch oftmals ist es genau diese, die unsere Hunde zu dem macht was sie sind.

Besonders die Hütehunde sind es, denen man einen besonders hohen Drang nach Bewegung und Arbeit nachsagt. In der Stadt könne man diesen Hunden gar nicht gerecht werden.

Doch ist dem wirklich so?

Ich würde das nicht so ganz unterschreiben. Im Grunde haben alle Hunde ihre Vergangenheit und in dieser wurden sie alle zu bestimmten Zwecken gezüchtet und hatten Aufgaben zu erledigen.

Wie kommt es nun also, dass das Halten eines Border Collies in der Stadt von vielen Menschen geradezu verteufelt wird, bestimmte Jagdhunde Rassen sich aber immer größerer Beliebtheit erfreuen?

In Büros tummeln sich mittlerweile Viszlas mit Weimaranern und der Labrador gilt schon seit Jahrzenten als DER Familienhund schlechthin.

Doch fangen wir doch mal beim Ursprung an - Dem Welpen...

Die Motivation, die viele Welpenbesitzer in den ersten Wochen des Zusammenlebens mit ihrem Hund an den Tag legen ist nicht nur verständlich, sie ist Menschlich. Natürlich hat man sich einen Hund ins Leben eingeladen um mit ihm schöne Spaziergänge zu verbringen und viel mit ihm zu unternehmen. Doch so ein Hundeleben ist lang und vieles kann ganz getrost warten.

Nun wird ein 16 Wochen alter Welpe morgens eine Stunde im Wald spazieren geführt, mittags wird ein wenig Ball gespielt und nachmittags geht es noch zur Welpengruppe. Doch weil er am Abend immer noch nicht schlafen kann wird noch ein wenig mit ihm rumgealbert, bis er irgendwann vor Erschöpfung in seinem Körbchen ins Land der Träume verschwindet. "Der ist nicht tot zu kriegen"

So oder so ähnlich erlebe ich es immer wieder und frage mich manchmal wie Eltern es mit ihren Kindern handhaben wenn diese um 23 Uhr wie Duracell Häschen durch die Wohnung laufen. Kaum eine Mutter würde in der Situation dann wohl auf die Idee kommen nochmal mit dem Kind auf den Fußballplatz zu gehen. Oder?

Viel eher würde man es doch ins Bett bitten und ihm vielleicht in entspannter Atmosphäre ein Buch vorlesen. Oder?

So oft wird vergessen, dass auch Hunde, Ruhe und das "Nichts Tun" lernen müssen.

Ein 16 Wochen alter Welpe muss noch keinen Ball apportieren und vor allem muss er keine Kilometerlangen Wanderungen unternehmen. Was wird ein solcher Hund wohl erwarten wenn er erstmal ein Jahr alt ist?

Für einen Welpen ist auch Besuch im Park fürchterlich anstrengend wenn gar nichts passiert. NICHTS. Wenn er das Geschehen beobachten darf aber kein Teil davon sein soll.

Viele Hunde können es im fortgeschrittenen Alter kaum aushalten wenn andere Hunde spielen und raufen und sie selbst an der Leine sind. Wie auch? Sie haben es ja niemals kennen lernen müssen.

Ein Welpe in den der gesamte Jahresurlaub investiert wurde um ihn nicht alleine lassen zu müssen wird sich umschauen wenn er Plötzlich 4 Stunden allein zuhause bleiben soll, ohne dass es mit ihm geübt wurde und ein Besuch im Cafe wird gerne von unseren Hunden akustisch untermalt wenn sie es nur gewohnt sind, unterwegs so richtig auf ihre Kosten zu kommen.

Ich appelliere immer wieder daran auch mal NICHTS mit seinem Hund zu tun. Möglichst überall. NICHTS passiert in der Stadt, NICHTS passiert im Park, NICHTS passiert wenn man Auto fährt.

Frustrationstoleranz ist hier das Schlüsselwort. Mann kann einen Welpen auch mal sitzen lassen und einen Ball werfen. Und was soll er dann tun? Richtig. NICHTS. Das Jagen ist bei unseren Hunden tief in den Genen verankert und für die meisten Hunde ist es wesentlich schwerer und anstrengender diesen Reizen einfach zu widerstehen.

Wenn der Hund erstmal einige Monate alt ist, hat man immer noch viele, viele Jahre vor sich, in denen man ihm das Apportieren nahebringen kann und auch der Agility Parcours wird einem nicht davon laufen.

Ich lebe mit einem Husky- und einem Terriermix unter einem Dach und werde häufig gefragt ob ich mit meinem Husky Verschnitt nicht täglich mehrere Kilometer am Rad fahren müsste, damit er überhaupt zur Ruhe kommt.

Definitiv NEIN.

Meiner Meinung nach sollte jeder Hund entsprechend seiner Veranlagung gefördert und ausgelastet werden aber jeder Hund sollte es genauso gut verkraften können wenn auch mal einen Tag nichts besonderes passiert.

Und so komme ich zurück zu Hütehunden und den derzeit so beliebten Jagdhunden. Genauso wie ein Labrador haben sie es absolut verdient sowohl mental als auch körperlich auf ihre Kosten zu kommen. Doch auch ein Aussie kann ohne Probleme, ohne Schafe hüten zu müssen, in der Stadt wohnen. Vorausgesetzt, er hat gelernt das auch mal NICHTS passiert und auch ein Jack Russel wird nicht als Balljunkie geboren.

Wir haben es in der Hand den Hund zu "bekommen" den wir uns an unserer Seite wünschen.

Wenn wir nur mit Verstand, einem guten Gespür für das Wesentliche und einer ordentlichen Portion Verantwortung in das Zusammenleben mit unseren Hunden starten.

Wie bei fast allem im Leben - Balance is the key. Trau dich ruhig mal NICHTS zu tun.